| Kindheit & Jugend


Hunger und Kälte, das war Alltag in den Bremer Nachkriegsjahren. Man musste schauen, wie man zu was kam. Egal, ob Kohlen oder Kartoffeln. Das wussten schon die Kurzen und stromerten durch den Hafen. Sigrid Bauermeister wuchs in Oslebshausen auf, dort arbeitete man im Hafen, bei der AG Weser - oder auch bei der Bahn. Daher kannten sich die Familien auf dem Rangiergelände bestens aus. Zum "Organisieren" nahmen die Kinder ihren Sack schon zur Schule mit.

 

 

 

 

Zwischen Millionären und Kleinbürgern

Familie Jacoby lebte vom Ofensetzen und dem Handel mit Öfen. Irgendwann in den Zwanziger Jahren, etliche vermögende Familien hatten in der Weltwirtschaftskrise ihre Häuser zu Geld machen müssen, konnte die Familie aus der Frühlingsstraße im engen Rembertiviertel an den noblen Osterdeich umziehen. Hier lernte Tochter Jacoby den Reichtum der Schulfreundinnen kennen.

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Jugendfreizeitheime, "Freizis", das wäre in den 1950er Jahren ein Fremdwort gewesen. Jugendarbeit fand in den Sportvereinen statt - und in den Kirchengemeinden. In Walle hatte sich vor allem die Immanuelgemeinde auf diesem gebiet stark engagiert. Gemeindehaus und Kapelle in der Elisabethstraße, beide eher unscheinbar in die Häuserreihe eingefügt, wurden für Generationen von Jugendlichen zur zweiten Heimat.

Wenig zu essen, dreimal gewendete Kleider, nichts zum Heizen. Eine Kindheit in der Nachkriegszeit - nur reich an Entbehrung? Aber ein glückliches Leben ist nicht identisch mit Wohlstand und Rundumversorgung. Sigrid Bauermeister über kleine Freuden im kriegszerstörten Bremen.

 

In den bremischen Häfen nach 1945: statt geschäftigem Treiben tote Hose. Die deutschen Schiffe: versenkt oder beschlagnahmt. Die Küstenschifffahrt wird mit alten Kähnen betrieben. Die Überseeschifffahrt - von den Alliierten zuerst verboten, dann, bis 1951, beschränkt. Ein desolater Zustand. Für die Jugendlichen aus dem Bremer Westen aber, erzählt Sigrid Bauermeister, waren die Hafenbecken ein großes Spaßbad: verboten und gefährlich, aber ungeheuer reizvoll.

Im Zuge ihres "Pflichtjahres" arbeitete Gerda Vogel 1942 als 16-Jährige auf einem Hof im Bremer Umland. Harte Arbeit, Heimweh, Leben mit der Bauersfamilie – und zwei Franzosen, die als Zwangsarbeiter auf dem Hof sind.

Ehemalige Reedereilehrlinge und ihr Lehrherr berichten davon, wann und wie sie der Mythos "Norddeutscher Lloyd" angelockt und gepackt hat.
Die Reederei versprühte den Duft der weiten Welt, sie stand für ehrwürdige Kontinuität als weltweit erfolgreich tätiger Bremer Konzern. Ihre modernen Schiffe lagen in ewiger Konkurrenz zum Rivalen "Hapag" in Hambug und holten mehrmals die internationale Trophäe für das schnellste Schiff – das 'Blaue Band'.

Einen Abenteuerspielplatz brauchten die Bremer Butjer in den 1950er Jahren ganz bestimmt nicht. Die Trümmerlandschaft im zerstörten Bremer Westen war für die Kinder der natürliche Spielplatz. Herbert Poppe aus Utbremen sieht die zerstörte Stadt noch deutlich vor sich.

 

 

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