Die Bremer Straßenbahnunruhen im Januar 1968 sind längst Legende: Für viele Bremer der erinnerbare Moment, in dem sie ein politisches Bewusstsein entwickelten. Die politischen Proteste wurden vor allem von Gymnasiasten und den Studenten der Hochschulen getragen. Dietmar Kohlrausch, damals Schüler am Alten Gymnasium, war von Anfang an bei den Protesten dabei.
Jugendfreizeitheime, "Freizis", gibt es nicht in den 1950er und 1960er Jahren. Außer in den Sportvereinen findet Jugendarbeit vor allem in den Kirchengemeinden statt. In Walle ist besonders die Immanuelgemeinde sehr engagiert. Gemeindehaus und Kapelle in der Elisabethstraße, beide eher unscheinbar in die Häuserreihe eingefügt, werden für Generationen von Jugendlichen zur zweiten Heimat.
Wenig zu essen, dreimal gewendete Kleider, nichts zum Heizen. Eine Kindheit in der Nachkriegszeit - nur reich an Entbehrung? Aber ein glückliches Leben ist nicht identisch mit Wohlstand und Rundumversorgung. Sigrid Bauermeister über kleine Freuden im kriegszerstörten Bremen.
Bilder vom Schwimmen in Flüssen, Bilder von längst vergangenen Sommertagen: Ein schmaler Streifen Strand, das Band der Weser, Jungen und Mädchen im Wasser, die Familie beim Picknick auf der Uferböschung. Nach 1945 war das Baden in der Weser eines der wenigen Vergnügen, das sich Familien leisten konnten. Sigrid Bauermeister fuhr zum Baden nach Mittelsbüren.
In den bremischen Häfen nach 1945: statt geschäftigem Treiben tote Hose. Die deutschen Schiffe: versenkt oder beschlagnahmt. Die Küstenschifffahrt wird mit alten Kähnen betrieben. Die Überseeschifffahrt - von den Alliierten zuerst verboten, dann, bis 1951, beschränkt. Ein desolater Zustand. Für die Jugendlichen aus dem Bremer Westen aber, erzählt Sigrid Bauermeister, waren die Hafenbecken ein großes Spaßbad: verboten und gefährlich, aber ungeheuer reizvoll.
Junge Frauen im Nationalsozialismus. Im Zuge des generellen ‚Pflichtjahres’ für junge Frauen wurde die Erzählerin in der Landarbeit bei einem Bauern in Niedersachsen eingesetzt. Harte Arbeit, Heimweh, Leben mit der Bauersfamilie – und den zwei Franzosen, die als Zwangsarbeiter auf dem Hof sind.
Hunger und Kälte, das war Alltag in den Bremer Nachkriegsjahren. Man musste schauen, wie man zu was kam. Egal, ob Kohlen oder Kartoffeln. Das wussten schon die Kurzen und stromerten durch den Hafen
Sigrid Bauermeister wuchs in Oslebshausen auf, dort arbeitete man im Hafen, bei der AG Weser - oder auch bei der Bahn. Daher kannten sich die Familien auf dem Rangiergelände bestens aus. Zum "Organisieren" nahmen die Kinder ihren Sack schon zur Schule mit.
Ehemalige Reedereilehrlinge und ihr Lehrherr berichten davon, wann und wie sie der Mythos "Norddeutscher Lloyd" angelockt und gepackt hat. Die Reederei versprühte den Duft der weiten Welt, sie stand für ehrwürdige Kontinuität als weltweit erfolgreich tätiger Bremer Konzern. Ihre modernen Schiffe lagen in ewiger Konkurrenz zum Rivalen "Hapag" in Hambug und holten mehrmals die internationale Trophäe für das schnellste Schiff – das 'Blaue Band'.
Nach den Kriegsjahren. Einschulung in der stehen gebliebenen Schleswiger Schule im Oktober 1945. Auch die Kinder der Kaisenhausbewohner in der Waller Feldmark gehen hier zur Schule. Eng war es auf den Schulbänken, zu viele Schüler für zu wenig Lehrer. Aber den Luxus der Duschen gab es und die Schulspeisung – eine echte Hilfe, wie die ehemalige Schülerin sagt. In einer Zeit, in der es ansonsten nur wenig gab.
Einen Abenteuerspielplatz brauchten die Bremer Butjer in den 1950er Jahren ganz bestimmt nicht. Die Trümmerlandschaft im zerstörten Bremer Westen war für die Kinder ein geniales Tummelfeld zum Draußenspielen. Herbert Poppe aus Utbremen sieht die zerstörte Stadt noch deutlich vor sich.