Wenig zu essen, dreimal gewendete Kleider, nichts zum Heizen. Eine Kindheit in der Nachkriegszeit - nur reich an Entbehrung? Aber ein glückliches Leben ist nicht identisch mit Wohlstand und Rundumversorgung. Sigrid Bauermeister über kleine Freuden im kriegszerstörten Bremen.
Bilder vom Schwimmen in Flüssen, Bilder von längst vergangenen Sommertagen: Ein schmaler Streifen Strand, das Band der Weser, Jungen und Mädchen im Wasser, die Familie beim Picknick auf der Uferböschung. Nach 1945 war das Baden in der Weser eines der wenigen Vergnügen, das sich Familien leisten konnten. Sigrid Bauermeister fuhr zum Baden nach Mittelsbüren.
1980. Nichts ist so normal wie eine Waschmaschine. Aber Else Bruhns wäscht immer noch von Hand auf ihrem Waschbrett. Bis sie auf ihre alten Tage doch noch mit der Mode geht und sich eine Waschmaschine gönnt. Aber nicht irgendeine: Es muss schon der „Mercedes unter den Waschmaschinen“ sein. Fidi Bruhns erzählt von seiner Mutter und ihrer ersten Miele.
Hunger und Kälte, das war Alltag in den Bremer Nachkriegsjahren. Man musste schauen, wie man zu was kam. Egal, ob Kohlen oder Kartoffeln. Das wussten schon die Kurzen und stromerten durch den Hafen
Sigrid Bauermeister wuchs in Oslebshausen auf, dort arbeitete man im Hafen, bei der AG Weser - oder auch bei der Bahn. Daher kannten sich die Familien auf dem Rangiergelände bestens aus. Zum "Organisieren" nahmen die Kinder ihren Sack schon zur Schule mit.
Nach den Kriegsjahren. Einschulung in der stehen gebliebenen Schleswiger Schule im Oktober 1945. Auch die Kinder der Kaisenhausbewohner in der Waller Feldmark gehen hier zur Schule. Eng war es auf den Schulbänken, zu viele Schüler für zu wenig Lehrer. Aber den Luxus der Duschen gab es und die Schulspeisung – eine echte Hilfe, wie die ehemalige Schülerin sagt. In einer Zeit, in der es ansonsten nur wenig gab.
Nach dem Zweiten Weltkrieg: eine junge Frau, die zu gerne in einem der großen Säle zum Tanz geht. Wie viele andere auch. Die fehlende Ausgehkleidung ist jedoch ein Problem. Sie wird geliehen und manchmal kommt zur großen Freude ein Paket von der Verwandtschaft in Amerika - auch ein paar weiße Schuhe sind dabei, die kurzerhand umgefärbt werden. "Wir haben auch unseren Spaß gehabt!"
Dorfschmiede in Rablinghausen, um 1900 Viele Jahrhunderte bildete die Landwirtschaft die Lebensgrundlage der Menschen in den Dörfern der bremischen Landgebiete. Schmiede waren geachtete Dorfbewohner, sorgten sie doch dafür, dass Pflugscharen, Wagendeichseln oder Pferdegeschirre jederzeit repariert werden konnten. Bis 1860/61 gab es keine Gewerbefreiheit und keine Recht auf Freizügigkeit, d.h. freies Niederlassungsrecht. Bis dahin achteten die Zünfte streng darauf, wem sie eine „concession“ für ein Gewerbe erteilten.
Die Kinder aus Lankenau hatten es nicht weit zum Strand, und vor allem im Sommer gehörte das Baden in der Weser für sie zum täglichen Leben. Nachdem die gesundheitsfördernde Wirkung des Badens erkannt war, blieb dieses Vergnügen zunächst noch den Reichen vorbehalten, die dafür in die neu gegründeten Seebäder fuhren.
Doventorsvorstadt Die Doventorsvorstadt - gelegen vor dem "Doventor", in Bahnhofsnähe und im Übergang nach Westen zu Utbremen, ist ein altes Bremer Wohnquartier, das sich nicht so klar abgrenzen lässt; auf der einen Seite geht es über in die nördliche, und damit in die Bahnhofsvorstadt, auf der anderen Seite gibt es Übergänge nach Utbremen und damit nach Walle.
Erst seit kurzem hat Bremen wieder entdeckt, daß es eine "Stadt am Fluß" ist. Inzwischen wächst der Bestand des Geschichtskontors auch zu diesem Thema. Die alte Schlachte (von "slait", den Pfählen zur Uferbefestigung) als Hafen und Umschlagsplatz und der Teerhof mit seinen Packhäusern prägten das alte Bremer Stadtbild. Mit dem Bau Bremerhavens und dem Freihafen verlor die Schlachte ihre Funktion, von da ab passierten lediglich Binnenschiffe die alte Hafenmauer.